Der Tag startet für mich recht früh um 3:00 nach wenigen Stunden Schlaf. Ich mache mich mit meinem kleinen dreckigen Golf auf den Weg nach Konstanz am Bodensee, wo ich um 05:10 Uhr mit einer Gruppe mitfahren kann, die 2 Reisebusse für das Christival organisiert hat.
Bis Konstanz verläuft die Fahrt reibungslos. Nachdem ich dann in Konstanz selbst bin, ist genau die Strasse gesperrt, wo ich laut Routenplaner hätte hin müssen. Nach mehreren Ehrenrunden und dem steigenden Adrenalinspiegel zu vorgerückter Stunde, Verzweifung und einer Reihe Stossgebeten, finde ich eine Tankstellenbesitzerin, die eigentlich geschlossen hat, mich aber hereinbittet und mir auf dem Stadtplan die Wegstrecke genau erklärt. Mit neuem Mut mache ich mich auf den Weg, fahre letztendlich aber einmal im Kreis.
Es ist 04:45. Beim zweiten Versuch komme ich meinem Ziel ein grosses Stück näher. Dann stehe ich erneut nach dreimaligem auf- und abfahren einer Strasse vor dem Nichts. Panik versucht sich breit zu machen, vor meinem inneren Auge sehe ich den Bus abfahren.
Es ist 04:55. Nach dem Gebet: „Gott wenn Du mich auf dem Christival dabei haben willst, bitte hilf mir rechtzeitig zum Bus zu kommen“, werde ich ruhiger. Einen Moment später sehe ich einem Mann, der eben seinen Hund gassi führt. Er kann mir sagen wo ich hin muss. Die Strasse finde ich fast auf Anhieb, doch der Treffpunkt liegt im Dunkeln. Nach mehrmaligem entlangfahren sehe ich dann Leute, die mindestens soviel Gepäck mit sich schleppen wie ich, und ich bin am Ziel angelangt.
Es ist 05:05. Einmal tief durchatmen und Gott Danke sagen.
Die Gruppe mit der ich mitfahre besteht aus Leuten von der SMD und der ev. Landeskirche in Konstanz und Umgebung. Nun ist erst mal schlafen, schlafen und nochmals schlafen angesagt.
Irgendwo mitten in Deutschland auf einem Rastplatz. Ich steige aus, laufe ein paar Meter, dann steht da ein blauer Kleinbus aus dem Tatjana und Manuel aus meinem ehemaligen Jugendkreis in Wolfstein klettern. Einige Autos weiter begegnet mir Martin, der wie ich auch in der Jugendarbeit unseres evangelischen Gemeinschaftsverbandes einige Jahre mitgearbeitet hat. Wie klein die Welt doch ist! Doch nicht genug. Unser Ablöse-Busfahrer steht noch im Stau, also vertreibt sich unsere Busgemeinschaft die Zeit mit Frisbee spielen auf dem Rastplatz (sehr zur Freude der Auto-und LKW-Fahrer *g*) Irgendwann taucht Michael, ein Jugendreferent, der mit mir einige Zeit im Hauskreis war, zwischen den Fahrzeugen auf. Über so viele coole Begegnungen, wo das Christival noch gar nicht angefangen hat, kann ich mich nur freuen.
Weiter geht die Fahrt, und die Mitarbeiter der Gruppen veranstalten per Walkie-Talkie Spiele, bei denen die beiden Busse gegeneinander spielen. Leicht chaotisch das ganze, aber die Teenies sind beschäftigt.
Irgendwann treffen wir dann in Bremen im Quartier ein. Nach langem anstehen an einer fast nicht endenden Teilnehmerschlange können wir dann die Schlafplätze herrichten, und uns langsam aber sicher auf den Weg zum Bremer Hauptbahnhof machen. Schon dort begegnen einem fröhlich junge Menschen mit Rot-Weißen-Christival-Bändern um den Hals. Ein paar Einheimische schauen leicht kritisch, einige Gruppen demonstrieren gegen das Christival.
Nun nur noch durch den Bahnhof hindurch, und ab aufs Christival Gelände anmelden. Kaum stehe ich an der Schlange an, erblicke ich auch schon Jörg, Jugendreferent im ev. Gemeinschaftsverband Pfalz, mit dem ich viele Jahre der Mitarbeit gemeistert habe. Heute zeigt er als Ordner für die Teilnehmer vollen Stimmeinsatz, und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Freude macht sich bei mir breit, mir geht das Herz auf, die Menschen zu treffen, die mir soviel bedeuten, die mich viele Jahre auf meinem Weg begleitet und geformt haben. Und die ich inzwischen nur noch selten treffen kann.
200 m weiter treffe ich auf das Rudel der Pfälzer. Darunter auch „meine“ Jugendlichen aus der Stadtmission in Kaiserslautern.
So geht es dann zur Eröffnungsveranstaltung. Es gibt für jeden ein kleines rotes Knicklicht, mit dem wir im späteren Verlauf des Abends unterstreichen, dass wir Gottes Liebe an die Bremer weiterschenken wollen.
Sehr motivierende Inputs und Anbetung runden den Abend ab. Müde, glücklich und gespannt fahren wir mit unserer Strassenbahn ins Quartier zurück.



